MO\23.09.19\20:00
Kiesel im k42

Anke Stelling liest aus „Schäfchen im Trockenen“

Autorenlesung

Anke Stellings Roman Schäfchen im Trockenen erzählt von einer Frau Mitte vierzig, Mutter von vier Kindern, deren Wohnung gekündigt worden ist. Ihre Freunde machen gemeinsam ein Baugruppenprojekt, bei dem sie nicht mithalten kann und an den Rand gedrängt wird. Die Kündigung der Altbauwohnung in der Berliner Innenstadt ist der Ausgangspunkt für eine 260 Seiten lange Wutrede, die Anke Stelling ihre Protagonistin Resi halten lässt. Resi, ihr Mann und ihre vier Kinder müssen raus. Ihnen fehlt das Geld, um beim Bauprojekt ihrer Freunde mitzumachen. Im Gegensatz zu ihren Freunden wird sie nie erben. Noch dazu ist sie erfolglose Autorin, ihr Mann Sven erfolgloser Künstler. Ihre Mittelschichtzugehörigkeit ist vorgespielt. Schließlich muss sie sich mit den Anfeindungen ihrer „wohlstandsverwahrlosten“ Nachbarn auseinandersetzen, die sie als Nestbeschmutzerin abstrafen, weil sie über die Zu- und Umstände in der Nachbarschaft einen Roman geschrieben hat.

Anke Stelling nimmt das neoliberale Mantra, jeder sei seines Glückes Schmied, in ihrem Roman auseinander und hält der Mittelschicht und ihrer Ideologie, dass alle durch Tüchtigkeit und Einsicht gerecht zusammenleben würden, den Spiegel vor. Mit präzisen erzählerischen Details, scharf und auch humorvoll, zeigt sie, wie prägend die soziale Klasse trotz idealistischer Vorstellungen ist. Schäfchen im Trockenen ist ein großer Gegenwartsroman, autobiographisch grundiert bzw. an der Gegenwart entlang geschrieben, wie die Autorin sagt.

Anke Stelling hat Prosatexte, Drehbücher und Theaterstücke veröffentlicht und hatte einen größeren Erfolg mit dem Roman Bodentiefe Fenster, der 2015 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand. Für Schäfchen im Trockenen erhielt sie 2019 den Preis der Leipziger Buchmesse sowie den Friedrich-Hölderlin-Preis.

5 €