MO\09.12.19\20:00
Kiesel im k42

Volker Demuth liest aus „Niederungen und Erhebungen“

Autorenlesung

Ein Bauernhof, eine Kleinstadt, ein Haus am Fluss, eingebettet in das durch Eiszeitgletscher geformte Geländeprofil Süddeutschlands. Sie bilden den Erfahrungsraum für diese Erzählung,

in der sich Autobiografisches und die deutsche Geschichte spiegelt. „Der Großvaterbauernhof“ steht in der Gemeinde Baltringen. Er war der Ort der ersten Treffen aufständischer Bauern im frühen 16. Jahrhundert gewesen. Volker Demuth thematisiert die Herkunft, die Geschichte und Mentalität der Ich-Figur der Erzählung. In „Randlage Kleinstadt“ ziehen die Eltern in die Kleinstadt Laupheim und das erzählende „Ich“ rückt in den Mittelpunkt. Der Vater ist ein sehr harter Mann, der häufig und kräftig zuschlägt. Es gibt keine gemeinsame Sprache, es kommt die Zeit, da sprechen die beiden nicht mehr miteinander. Der Erzähler entdeckt die Literatur für sich: Georg Büchner, J.R.M. Lenz – diese Namen stehen für den Kampf gegen die Obrigkeit, aber auch für Scheitern. Nach Jahren des Reisens kehrt der Erzähler zusammen mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind zurück in diese Gegend, die ihn nicht loszulassen scheint. Sie kaufen ein altes Haus mit Garten direkt an der Donau. „War es womöglich das: meine Lebenslandschaft?“

In einer Art Selbsterkundung spürt Volker Demuth den Fragen nach: Was mache ich hier? Wie wurde ich zu dem, der ich bin? Wie viel von meinen Vorfahren ist auf mich übergegangen? Wie eigen ist meine Sprache, mein Denken und Sein? Welchen Anteil daran hat die Landschaft, in der ich aufgewachsen bin und nun wieder lebe? Die

äußere Gegend wird dabei zur inneren Landschaft. Die literarische Reise führt durch Erinnerungen, Bedeutungen und Mythen. Der sehr anregende Text lädt ein, der Wanderung zu folgen und all die Fragen, die der Autor sich stellt, auch sich selbst zu stellen. „Ein packender autobiographischer Text, der ganz und gar authentisch wirkt und durchaus neben Walter Benjamins Bericht ›Berliner Kindheit um 1900‹ bestehen kann. (…) Demuth gelingt es überzeugend, indem er bemerkenswert offen von seinen Erfahrungen spricht, das kollektive Geschick seiner Generation der in den 1950–1960er Jahren Geborenen aufzurufen.“ (Rainald Simon, Fixpoetry)

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